Monatsandacht Mai 2020

 

 

 

Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat. (1. Petr 4,10) 

 

Was erwartet man von einem guten Verwalter? Zunächst einmal,

dass er das, was ihm zur Verwaltung anvertraut wurde, gut bewahrt und für

seinen ordnungsgemäßen Einsatz Sorge trägt. Aber darüber hinaus auch, dass das

ihm übertragene Vermögen sich vermehrt und möglichst gute Ergebnisse

hervorbringt. Der Verfasser des 1. Petrusbriefes gebraucht dieses Bild aus dem

antiken Wirtschaftsleben, um alle Mitglieder der christlichen Gemeinden

anzusprechen. In seiner Gemeindeermahnung, die von V.7-11 reicht, fordert er

die Christen auf, aus der Hoffnung des Glaubens heraus, ihr Zusammenleben so zu

gestalten, dass die Liebe deutlich wird, die die Gemeindemitglieder miteinander

verbindet. Dazu gehört sowohl die Fürbitte füreinander (V.7) wie die liebevolle

wechselseitige Vergebung der Sünden (V.8) und die Bereitschaft die bedürftigen

Gemeindemitglieder zu versorgen, ohne dabei zu murren (V.9).

Und an diese Ermahnungen schließt sich der Monatsspruch an,

der gleichsam eine allgemeine Regel für das Miteinander in der Gemeinde

formuliert: Alle Gläubigen sollen die Gaben, die Gott ihnen gegeben hat, nicht für

sich behalten, sondern sie so einsetzen, wie es ein guter Verwalter täte. Gott

hat allen Gemeindemitgliedern unterschiedliche Gaben gegeben. Diese können sehr

vielfältig sein, aber alle lassen sich zum Dienst für andere einsetzen. Wer

über die Gabe des Betens verfügt, kann die anderen in seine Gebete einschließen.

Wer die Gabe der Liebe hat, soll den anderen vergeben. Und wer über ein Haus

oder die notwendige Finanzkraft verfügt, soll den Bedürftigen Gastfreundschaft

erweisen. Und die Liste ließe sich mit weiteren Gaben verlängern.

Entscheidend ist die Haltung, aus der heraus die

Gemeindemitglieder ihre Gaben einsetzen sollen. Weil sie unverdiente

Gnadengaben Gottes sind, sollen sie so gebraucht werden, dass neue Gnade

entsteht. Gnade lässt sich nicht dadurch vermehren, dass man sie knapphält, um

ihren Preis hochzutreiben, sondern nur, indem man sie kostenlos weiterverschenkt.

Weil Gott aus seiner Gnade den Menschen spezifische Gaben geschenkt hat, können

und sollen diese die Gaben in das Gemeindeleben investieren. Nur im Dienst

aller an allen kann die Vielfalt der Gnadengaben von allen erlebt werden. Nur

wenn niemand seine Gaben für sich behält, erhalten alle an allen Gaben Anteil.

Nur so wird dann auch die bunte Vielfalt der Gnade Gottes von allen erkannt

werden.

Diese Ethik eines gnädigen, sich wechselseitig

beschenkenden Miteinanders, die der 1. Petrusbrief hier seinen Leserinnen und

Lesern vor Augen stellt, überfordert niemanden. Nur das soll geteilt werden,

was zuvor verliehen wurde. Nur das, für das alle als Verwalterinnen und

Verwalter der Gnade Gottes Verantwortung tragen, soll eingebracht werden. Und

das ist auch möglich, denn jeder Dienst, der aus der Gnade Gottes heraus

geschieht – das macht der abschließende Vers 11 deutlich – lebt letztlich von

der Kraft, die Gott geschenkt hat und immer wieder neu dazu gibt.

Prof. Dr. Ralf Dziewas
Prof. Dr. Ralf Dziewas

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: Theologische Hochschule Elstal