Thomas will sein Leben in geordnete Bahnen lenken

In der Blaukreuzgruppe findet er Unterstützung

Seit einem halben Jahr trifft sich Thomas wöchentlich einmal in der Selbsthilfegruppe des Blauen Kreuzes Neuruppin mit Leuten, die mit ihm gemeinsam einen langen Leidensweg teilen. Sie sind allesamt alkoholabhängig und dürsten nach einem selbstbewussten, abstinenten Leben.

Mit seinen 41 Lebensjahren ist Thomas noch relativ jung, gemessen am Alter vieler Teilnehmer, die schon zwei, drei oder gar vier Jahrzehnte „trocken“ sind und weit über 60 Lenze zählen.

 

Auf dem Trip seines Leidensweges

Der gebürtige Naumburger hat nach Abschluss seiner Schulzeit eine Ausbildung in der Baubranche absolviert. „Gleich nach der Ausbildung bin ich als Monteur durch ganz Deutschlang getingelt. Zum Feierabend haben wir Kollegen uns dann irgendwo zusammengesetzt und ‚ordentlich‘ einen getrunken“, erinnert sich der 41-jährige.

In den 20 Jahren, die Thomas kreuz und quer durch die Lande unterwegs war, habe es kaum einen Tag gegeben, an dem er nicht zum Alkohol gegriffen hätte. Schon während dieser Zeit sei er mehrere Male zur Entgiftung ins Krankenhaus gebracht worden.

Thomas wirkt nachdenklich, wenn von seinem letzten Alkoholexzess 2015 spricht. Nach dieser hemmungslosen Sause ist er für einige Tage ins Koma gefallen und anschließend ins Delirium – eine lebensbedrohliche Situation.

Nach der nun schon elften Entgiftung sowie einer Therapie in der Sozialtherapeutischen Langzeiteinrichtung „Kieck“ hat sich Thomas ohne Umschweif zur weiteren therapeutischen Betreuung ins Adoptionshaus Neuruppin begeben. Damit unabdingbar verbunden ist die Teilnahme in einer Selbsthilfegruppe für Suchtkranke.

 

In der Blaukreuzgruppe fühlt sich Thomas regelrecht angenommen

„Schon während der Therapie habe ich bei einer Gruppenvorstellung die Neuruppiner Blaukreuzgruppe kennengelernt und mich für deren Inhalte interessiert“, fügt der ehemalige Baumonteur hinzu.

 

Obwohl Thomas keiner christlichen Konfession angehört und der christliche Glaube keinen Platz in ihm einnimmt, bekennt er: „ich fühle mich gut aufgenommen in dieser christlichen Selbsthilfegruppe“. Den Anschluss an die Gruppe hat er längst gefunden. Er ist mittendrin in fast allen Gesprächsrunden.

Dabei ist erwähnenswert, dass er offen und ehrlich auftritt: Das macht ihm unter den Angehörigen der Gruppe zweifelsfrei authentisch.

Sportliche Angebote – Highlights im sonst tristen Alltag 

Offen ist der ‚große Blonde‘ - wie ich ihn als Gesprächspartner mal bezeichnen möchte - auch für sportliche Aktivitäten. Schon in der Schule schlug sein Herz für die Leichtathletik. Bei Schulmeisterschaften konnte Thomas damals vor allem im Hochsprung erfolgreich abschneiden.

Leider kann die Blaukreuzgruppe, aufgrund der Mehrzahl älterer Mitstreiter, selbst keine Angebote vorhalten. Gelegenheiten für sportliche Aktivitäten gab es aber dennoch für den 41-jährigen, wenn auch mit kleinen Stupsern.

 

Am Neuruppiner Mai- und Hafenfest 2018 hat er sich in der Disziplin Drachenbootrennen beteiligt, er startete in der Crew vom Tannenhof Berlin. In Vorbereitung des Trainings war die Mannschaft noch nicht komplett. Thomas wurde auf eine mögliche Teilnahme angesprochen, er sagte zu.

Ähnlich verhielt es sich auch zur „Tour der Prignitz“ 2018. Dieses Mal hatte eine Bekannte ihn „angestupst“ und gefragt, ob er vielleicht mitfahren möchte, Thomas zeigte sich aufgeschlossen.

Wie er im Gespräch anmerkte, seien solche Veranstaltungen für ihm Highlights im sonst eher tristen Alltag.

 

Zukunftspläne sieht er gelassen entgegen

Seit längerem lebt der blonde Naumburger im „Betreutem Wohnen“. Befragt nach möglichen Plänen für die Zukunft, entgegnet Thomas:  Er halte sich noch alle Optionen offen, wo und in welcher Tätigkeit er seinen Lebensmittelpunkt gestalten werde, und bekennt: „derzeit bin ich noch nicht soweit, mir darüber genauere Gedanken zu machen“.

Seinen Zukunftsvisionen steht er gelassen gegenüber. Er will sich dahingehend kein Stress aussetzen. Denn der sei nur schädliche für sein Ziel - ein Leben in Abstinenz mit optimaler Lebensqualität. 

 

Wichtig für Thomas ist erst einmal, dass ihm die Teilnahme in der Selbsthilfegruppe des Blauen Kreuzes Neuruppin persönlich hilft, sein Leben in geordnete Bahnen zu lenken.                                                kout

 

(Mit Thomas sprach unser Redakteur Konrad im Juli 2018)